MedienbueroNiessen

Im Gespräch mit Eva Wlodarek (2001)

<< zurück

Die Glücksbringerin

Ein Gespräch mit der Psychologin Eva Wlodarek über Wünsche und Wirklichkeiten und warum es besser ist, lieber eine kleine Sache zu tun, als eine große nur zu denken.

Wie die Verkaufszahlen zeigen, besteht ein großer Bedarf an Ratgebern in Lebensfragen. Warum glauben Sie, fällt es den Menschen schwer, das Leben als eine runde Sache zu gestalten?
Weil wir nirgendwo lernen, wie das Leben funktioniert. Ich wünschte, wir hätten alle Eltern, die so liebevoll und souverän sind, dass sie uns zeigen können, wie das Leben geht. Aber das passiert einfach sehr selten. Wir lernen so viele Dinge nicht. Das muss irgendwie nachgeholt werden. In dem Fall sind die Bücher die Träger.

Von welchem Standpunkt aus haben Sie Ihre Bücher geschrieben?
Es gibt eine solche Schwemme von Ratgeberbüchern, dass ich mich fast geniert habe, noch welche hinzuzufügen. Ich habe es trotzdem getan, weil viele nicht die Kriterien erfüllen, die ich persönlich an ein gutes Ratgeberbuch stelle. Erstens muss es fundiert sein, d.h. die Autorin muss umfangreiche Kenntnisse über das haben, worüber sie schreibt. Zweitens muss die Autorin verständlich und interessant schreiben können. Drittens sollte ein Ratgeber mit Liebe geschrieben sein, also nicht von oben herab. Indem ich mit Liebe schreibe, kann ich nicht verhehlen, dass auch ich Schwächen habe, mein Handwerkszeug nicht immer perfekt anwende. Aber ich kann sagen, ich kenne das Problem und so habe ich es bewältigt.

Sie haben sich zu unterschiedlichen Themen wie „Wege aus der Einsamkeit“, „Den richtigen Mann finden“, „Größere Ausstrahlung gewinnen“ geäußert. Was möchten Sie den Menschen mit auf den Weg geben?
Ich habe so etwas wie einen missionarischen Eifer, aber ohne Fanatismus. Ich möchte, dass es den anderen besser geht. Dazu gebe ich bewährtes psychologisches Handwerkszeug weiter, das ich selbst getestet habe. Ich habe eine gute Partnerschaft, für die ich viel getan habe, ich bin nicht mehr einsam, weil ich mich geöffnet habe: Ich kenne das, worüber ich schreibe, aus eigener Erfahrung. Psychologie ist für mich das Interessanteste, was es gibt; Menschen zu beobachten, was in ihnen und untereinander vorgeht. Ich glaube, dass zu jedem Menschen bestimmte Aufgaben ganz besonders passen und dass meine Fähigkeit darin besteht, Dinge zu vermitteln. Schriftlich wie mündlich.

Wen haben Sie beim Schreiben vor Augen, eher die Frauen oder auch die Männer?
Anfangs habe ich mich an die Frauen gewandt, weil ich sie am besten kenne. Die Bücher über „Größere Ausstrahlung gewinnen“ und „Den richtigen Mann finden“ sind ja sehr spezifisch. Das Thema „Wege aus der Einsamkeit“ ist für Männer und Frauen sehr ähnlich und die „Spielregeln des Lebens“ richten sich ganz klar an beide Geschlechter. Sie sind eine Art Universalschlüssel, gelten für alle Menschen von Afrika bis zum Nordpol. Diese Regeln habe ich nicht erfunden, die gibt es so sicher wie das Gesetz der Schwerkraft auf unserem Planeten.

In diesen „Spielregeln“ lautet Ihr Ansatz: Das Leben ist nicht Kampf, sondern ein Spiel. Eine lockere Sache demnach?
Ganz und gar nicht. Aber eine, für die es Regeln gibt, mentale Gesetze, die man kennen muss. Nehmen wir die erste Spielregel: „Zahlen Sie den Preis für Ihr Ziel.“ Will man eine Situation verändern, muss man sich überlegen, ob man bereit ist, den geforderten Preis zu zahlen und die Folgen zu tragen, die dieser Schritt mit sich bringt. Ein einfaches Beispiel für einen offenen Preis: Wenn ich Marathonläuferin werden will und jeden Abend eine Flasche Wein trinke und morgens nicht aus dem Bett komme, heißt der Preis: auf Wein verzichten, früh aufstehen, trainieren. Schwieriger wird es bei versteckten Preisen.

Was verstehen Sie darunter?
Ein versteckter Preis ist der, von dem ich nicht weiß, dass ich ihn zu zahlen habe. Es sind Preise, die wir ausblenden. Ein Beispiel: In einem meiner Seminare hatte ich es mit einer Frau zu tun, die partout keinen Partner fand. Wir sprachen über

Smalltalk und dass es wichtig ist, auf leichte Weise ins Gespräch zu kommen. Daraufhin entrüstete sich die Teilnehmerin und meinte, für so ein BlaBla habe sie keinen Sinn. Sie wolle eine richtige Beziehung und kein Gesülze. Was ihr nicht klar wurde, war, dass ihre Verweigerung von leichter Konversation ein versteckter Preis war. Sie findet keinen Mann, wenn sie ihn gleich mit Problemen überschüttet, sondern wenn sie erkennt, dass ihr in puncto Anfangskommunikation noch Know-how fehlt.

Insgesamt nennen Sie in Ihrem neuen Buch sieben Spielregeln, die zu mehr Glück und Erfolg führen. Wenn …
Dieses „Wenn“ ist bei all meinen Ratgebern der wichtigste Ansatzpunkt. Ohne Selbstverantwortung und konsequentes Handeln können sich Glück und Erfolg nicht dauerhaft einstellen.

Sich rausreden, dass etwas beim ersten Mal nicht gleich klappt, zählt also nicht.
Richtig. Wenn jemand etwas verändern möchte, muss er dauerhaft etwas dafür tun. Zum Beispiel sich anderen Menschen öffnen (Spielregel Nummer 4), sein Leben ins Gleichgewicht bringen (Spielregel Nummer 5), Verantwortung übernehmen (Spielregel Nummer 6). Genau dabei helfe ich ihm. Leute kaufen Ratgeber wie Schmerztabletten. In dem Moment, wo sie Probleme mit dem Partner oder dem Job haben und sie einen Ratgeber mit einem guten Titel entdecken, geht es ihnen gleich schon ein bisschen besser. Dieses Gefühl wird von vielen Büchern verstärkt, indem alles ganz easy dargestellt wird nach dem Motto: Du schaffst es. Dafür bin ich Therapeutin, um zu wissen, dass es nicht einfach heißen kann: Lies dieses Buch und dein Problem ist gelöst. Das ist eine Irreführung. Es kann nur heißen: Lies dieses Buch, studiere seine Methoden und wende sie an. Das ist ein längerer Prozess, bei dem wir stärker werden, reifer, wachsen. In diesem Sinne ist auch mein Satz zu verstehen: „Jeder Preis trägt ein Geschenk in sich.“

Auffällig ist, dass Sie oft die kleinen Dinge anführen.
Ich bin eine Vertreterin des ersten Schrittes, weil ich festgestellt habe, dass wir immer nach oben schauen. Wir müssen gleich unheimlich viel Sport treiben, damit wir fit werden. Oder wir müssen jetzt wirklich die besseren Menschen werden und richtig spenden. Das sind fünf Schritte zuviel. Lieber statt der großen Spende, die wir nie geben, einmal die Obdachlosenzeitschrift kaufen. Oder statt immer Sport zu treiben, was nicht gelingt, einmal mit dem Fahrrad um den Weiher fahren. Der Hintergrund ist, sich nicht zu überfordern. Lieber eine kleine Sache tun, als eine große nur denken.

Sie halten nicht nur Seminare und arbeiten als beratende Psychologin für die Zeitschrift Brigitte, sondern gehen auch häufig auf Lesereisen. Wie sind die Reaktionen?
Sehr positiv. Und es kommen immer mehr Menschen. An der Zahl der verkauften Bücher am Ende eines Vortrags merke ich, dass die Leute es nicht beim bloßen Zuhören belassen, sondern weitermachen wollen. Neulich habe ich auf einer Lesung 140 Bücher signiert. Ich überlege mir für jede Person eine persönliche Widmung. Dazu sehe ich diejenige bewusst an: Sind die Lippen schmal und nach unten gezogen, die Augen eher trüb oder leuchtend, ist der Blick gütig, warmherzig, ängstlich oder kühl? Diese Signale verwandle ich in eine Widmung. Manchmal fragt mich dann die Betreffende: „Woher wissen Sie das?“ oder sagt: „Das ist genau das, was ich gebraucht habe.“

Welcher von den vielen Tätigkeiten, die Sie ausüben – Vorträge halten, Schreiben, Beratung – geben Sie den Vorzug?
Ich liebe alle drei, weil sie sich ergänzen. Es sind drei Facetten desselben Ziels: Andere dabei zu unterstützen, sich selbst ein gutes Leben zu schaffen.

© Irene Nießen, 2001

Eva Wlodarek: „Spielregeln des Lebens für
mehr Glück und Erfolg“, Krüger, 2001

<< zurück